Samstag, 24. Oktober 2009

Türken in Österreich: laut "Standard" die gefährlichste Parallelgesellschaft im EU - Raum

In Österreich gibt es eine Gruppe von Zuwanderern, denen die Integration besonders schwer fällt: Türken. Der letzte, der so etwas in Deutschland sagte, Thilo Sarrazin, wurde von den herrschenden Gesinnungswächtern in der Luft zerrissen. Mehr als die Hälfte der in Österreich lebenden Türken wünscht sich, so eine Umfrage der Tageszeitung "Der Standard" zum Thema Integrationspolitik, mehr Elemente der Scharia in der Rechtsprechung und für fast drei Viertel ist die Religion wichtiger als die Demokratie
- mehr über die türkische Parallelgesellschaft in Österreich heute in der ansonsten zweifellos grün - linksliberalen österreichischen Tageszeitung "Der Standard":

Sie fühlen sich benachteiligt. Die Gesetze des Islam sind ihnen wichtiger als die des Staates. Sie haben wenig Kontakt zur Mehrheitsbevölkerung. Und sie konsumieren vor allem Medien aus ihrer Heimat. Menschen mit türkischen Wurzeln integrieren sich in Österreich tendenziell viel schlechter als solche mit anderem Migrationshintergrund. Das belegt eine Studie, die das Gfk -Institut im Auftrag des Innenministeriums erstellt hat und die dem "Standard" vorliegt.

“Die Mehrheit der Migranten in Österreich fühlt sich gut integriert und ist bereit, sich an die Regeln zu halten. Unter den Türken gibt es aber nicht unbeträchtliche Vorbehalte”, erklärt Studienautor Peter Ulram. Das sei vor allem bei jenen 58 Prozent der Türken der Fall, die politisch-religiös motiviert sind. Gerade bei den Jungen gebe es “Ansätze zu einer Subkultur-Bildung”, analysiert Ulram.

Mehr als die Hälfte der türkischen Migranten wünscht sich, dass das islamische Recht in das österreichische Justizsystem einfließt. Für fast drei Viertel ist die Befolgung der Gebote der Religion wichtiger als die Demokratie. Fast die Hälfte stimmt damit überein, dass man “an den vielen Kriminellen in Österreich sieht, wohin die Demokratie führt”. Junge Türken fühlen sich dem Islam stärker verpflichtet als ältere – obwohl sie in den meisten Fällen in Österreich aufgewachsen sind. Die türkischen Muslime in Österreich sind viel religiöser als etwa jene, die aus Bosnien gekommen sind.

Quelle: Der Standard

Sonntag, 18. Oktober 2009

Literaturmagazin "shortlist" besuchte die Frankfurter Buchmesse und sprach mit Thomas Minkus ...

Trotz eines leichten Besucherrückgangs zufriedene Gesichter: Auf diesen Nenner kann die 61. Frankfurter Buchmesse gebracht werden. "Von Krise kein Wort", bilanzierte am Sonntag der Sprecher der weltgrößten Bücherschau, Thomas Minkus, die vergangenen fünf Tage leicht säuerlichend lächelnd im Gespräch mit shortlist - Chefredakteur Hannes Weiner. shortlist - Gesprächspartner Minkus beklagte vor allem das "brummende Geschäft" mit Lizenzen.

Gerade Anbieter aus dem angelsächsischen Raum meldeten nach Berichten von Branchenblättern zum Teil die besten Abschlüsse seit Jahren. Renner waren Tagebuchnotizen aus der Haft von Nelson Mandela, die zum Auftakt der Messe der amerikanische Verlag Farrar, Straus and Giroux für eine unbekannte Summe erwarb. Angebote aus anderen Ländern sollen bereits vorliegen.

Auch der deutschen Branche, die für dieses Jahr bisher sogar ein Umsatzplus von knapp drei Prozent registriert, ist der Optimismus nicht abhandengekommen. "Bei uns ist die Wirtschaftskrise bislang nicht angekommen", sagte der Sprecher des S. Fischer Verlags, Martin Spieles. Weder beim Einkauf von Büchern im Ausland noch bei Marketing werde gespart.

Dennoch gilt auch bei Fischer wie anderen großen Publikumsverlagen striktes Kostenmanagement. "Konsolidierung ist angesagt", fasste es Hoffmann & Campe-Chef Günter Berg zusammen. Viel härter trifft die Krise kleinere Verlage, die sich junger anspruchsvoller Literatur verschrieben haben.

Manche wie der gerade von München nach Berlin umgezogene Blumenbar Verlag gehen Kooperationen mit größeren Häusern ein - in diesem Fall dem Berlin Verlag. Andere bangen um ihre Existenz. Der renommierte Ammann Verlag aus Zürich war nach 29 Jahren letztmals auf der Messe vertreten. Verleger Egon Ammann gibt im kommenden Jahr das Geschäft auf.

Fürs Publikum hatte die Buchmesse dieses Jahr viel zu bieten: Mit Herta Müller eine selbstbewusste frischgekürte Nobelpreisträgerin, die - war vorauszusehen, ist ihr aber trotzdem hoch anzurechnen - vehement Partei für die Kritiker des Gastlandes China ergriff, und mit Günter Grass einen alten Würdenträger, der 50 Jahre "Blechtrommel" feierte. Unter den internationalen Autoren ragten Margaret Atwood (Kanada) oder der in Italien lebende Brite Tim Parks hervor.

Um den Ehrengast blieb es trotz der wochenlangen Diskussionen im Vorfeld auf der Messe relativ ruhig. Der große Eklat blieb aus. Aber zwischen der offiziellen Delegation, die sich über mangelnden "Respekt" beklagte, und den China-Kritikern gab es auch keine Brücken.

Text: shortlist, das Literaturmagazin

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Wer, bitte, ist Herta Müller? Literaturnobelpreis 2009 geht an die deutsche Schriftstellerin Herta Müller

Österreich - zumindest die lesende Intelligenz, der Buchhandel und die Verleger, von Droschl abwärts - fragen sich: (a) Wer ist Herta Müller wirklich und (b) Was machen wir jetzt?

Selbst Deutsche kennen Gottschalk, Dieter Bohlen oder Dan Brown besser als die angeblich beste Prosaschreiberin der Welt: Herta Müller. Wer ist die Dame, was hat die eigentlich so geschrieben und ist das mühsam zu lesen?

Ratlosigkeit vor allem in Österreich: während der Nobelpreis für Elfriede Jelinek das Land fast spaltete, denn der durchschnittliche österreichische Leser kann sich zwar mit Robert Musil, Daniel Kehlmann oder Peter Handke anfreunden, aber nur begrenzt mit der von der österreichischen Rechten jahrzehntelang diffarmierten Jelinek, herrschen beim Namen Herta Müller in Österreich Verzweiflung, Ratlosigkeit und Funkstille. Kaum haben die Österreicher kapiert, dass man sich in den Buchhandlungen ggf. auch mal nach Gabriel García Marquez oder José Saramago umschauen soll, kommt die Schwedische Akademie schon wieder mit einer Autorin daher, die den Nobelpreis - so die Redaktion des Literaturmagazins "shortlist" - vielleicht ebensowenig "verdient" hat wie die Jelinek oder Winston Churchill, der ihn peinlicherweise ja seinerzeit ebenfalls bekommen hat. "Ist der Literaturnobelpreis wirklich ebenso am Ende wie der Bachmannpreis oder war er nur Vorläufer der Spaßgesellschaft?" - fragt wenige Stunden nach der Bekanntgabe des Preises süffisant shortlist - Herausgeber Hannes Weiner. Weiner betont, damit kein Urteil über Herta Müller abgeben zu wollen, deren Werk beeindruckend und großartig ist - obwohl er kritische Stimmen zitiert, z.B. die bekannte Kritikerin Iris Radisch. Die Jelinek hätte den Preis, wenn sie hätte entscheiden können, übrigens an Thomas Pynchon vergeben, so shortlist. Dennoch ein Tag für Deutschland - zehn Jahre nach Günter Grass geht der Literatur-Nobelpreis wieder nach Deutschland. Das schwedische Nobelpreiskomitee erklärte, die in Rumänien geborene Müller habe „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“ gezeichnet. Herta Müller ist eine ganz große Autorin, die schon etliche Preise gewonnen hat. Die Frage ist bestenfalls: überbewerten wir den Literaturnobelpreis? Für ihr Lebenswerk und für ihr Ringen um die Kunstform hätten ihn Handke oder Thomas Pynchon verdient, meint Hannes Weiner. Aber ... was heißt schon "verdient" ... mehr bei shortlist

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Literaturnobelpreis: auch "shortlist" wenige Stunden vor Bekanntgabe noch ahnungslos

Das vermutlich bestinformierte Literaturmagazin im deutschsprachigen Raum, "shortlist", schreibt heute: Der "ewige Daueranwärter" auf den Literaturnobelpreis, der österreichische Schrifststeller Peter Handke, sieht auch diesmal der Chose mit Gelassenheit entgegen, so Handke in einem Exklusivgespräch mit dem Literaturmagain "shortlist". Laut Marcel Reich - Ranicky, jenem "Kritikerpapst", der Handke nie mochte, sinngemäß - wir betonen, bevor uns Marcel - Verlage und / oder die FAZ wieder klagen und / oder abmahnen wollen: sinngemäß ein Langeweiler und Schwachschreiber, wartet der in seiner Jugend nach Kehlmann - Manier chronisch überschätzte, der "Neuen Innerlichkeit" verpflichtete angebliche Schwachschreiber auf den Nobelpreis schon seit dreissig Jahren. Das Problem: Handke ist im Grunde besser als viele andere Preisträger, und er blickt auf ein ähnliches Lebenswerk zurück wie Grass, nur mit dem Unterschied, dass er (Handke) im deutschsprachigen Literaturbetrieb kaum noch Verbündete hat. Das könnte - in den letzten Jahren - auch an der Qualität seiner Texte liegen, siehe Diskurs rund um den Heine - Preis. Dass die Jelinek stärker ist, verdankt sie einer plakativeren Brutalität ihrer Texte; dass Thomas Pynchon den Preis nicht kriegt, bedauert sogar die Jelinek ("ich hab ihn und der Thomas Pynchon nicht, das kann es nicht geben", so die Elfriede Jelinek im Gespräch mit shortlist). Trotzdem hätte ihn Handke verdient, so die Redaktion des Literaturmagazins "shortlist".

Der Literaturnobelpreis 2009 wird ungeachtet solcher Spekulationen morgen, also am Donnerstag, den 8. Oktober, um 13 Uhr in Stockholm bekannt gegeben. Trotz der bekannt guten Connections der Redaktion von "shortlist" müssen auch wir diesmal passen: absolute Verschlusssache, wir wissen es wirklich noch nicht.

Im vergangenen Jahr ging die begehrteste Literatur-Auszeichnung der Welt an den französischen Romancier Jean-Marie Gustave Le Clézio.

In diesem Jahr gelten als aussichtsreiche Anwärter mehrere US-Autoren wie Thomas Pynchon und Philip Roth sowie die Schriftstellerin Joyce Carol Oates. Außenseiter-Chancen werden auch dem Sänger Bob Dylan wegen der lyrischen Qualität seiner Songtexte eingeräumt.

Auf Wettlisten ganz oben steht der Israeli Amoz Os. Der österreichische Schriftsteller Peter Handke liegt mit einer Quote von 20 zu 1 auf Platz 19 - noch vor Bob Dylan.

mehr bei shortlist

Montag, 5. Oktober 2009

Grasser, Hochegger, Meischi: Hochegger hält sich im Hintergrund

In der Causa Buwog könnte sich die Justiz demnächst mit Ex-Minister Karl-Heinz Grasser auch mit dessen Ex-Kabinettchef, HeinrichTraumüller, beschäftigen. Die Grünen haben eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht, in der sie rund um den Verkauf der Bundeswohnungen 2004 den Vorwurf des Amtsmissbrauchs, Bruch des Amtsgeheimnisses und wettbewerbsbeschränkende Absprachen bei Vergabeverfahren erheben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Durch die Aktion wird von den wirklichen Skandalfiguren Hochegger und Petrikovics abgelenkt, was die "Grünen" natürlich nicht wissen können.

Noch am Sonntag hatte Staatsanwalt Nobert Haslhofer jenen "ehemaligen Spitzenbeamten" einvernommen, der Grasser im "profil" - Cover schwer belastet. Grasser habe das Verfahren manipuliert - zugunsten der Investmentbank Lehman Brothers und Immofinanz, die ja das Rennen um die Wohnungen gemacht hat. Grasser, der sich einer "politischen Hetzjagd" ausgesetzt fühlt, weist die Vorwürfe zurück und hat eine Anwaltskanzlei mit der Einbringung von Verleumdungsklagen gegen den Ex-Mitarbeiter beauftragt. Der Mann erpresse ihn, wolle sich dafür rächen, dass er seinen Vertrag als Chef der Bundesbeschaffungsgesellschaft 2006 nicht verlängert habe, so Grasser a szeneblogger - Handy sinngemäß.

Sollte die Identität stimmen - die Justiz bestätigt das derzeit noch nicht -, ginge es um den Kärntner Ex-Grasser-Vertrauten Michael Ramprecht, der als Kommissionsmitglied auch in den Buwog-Verkauf involviert war. Ihn hat Grasser 2001 zum Chef der Bundesbeschaffung GmbH gemacht, 2004 geriet er in die Bredouille. Er hatte eine Wohnung gegen Provision vermittelt, Grün-Abgeordneter Peter Pilz ihm daraufhin unerlaubte Gewerbeausübung vorgeworfen. Ramprecht hat das stets zurückgewiesen, er habe nur seiner kranken Frau ausgeholfen.

Ramprecht war am Montag für den szeneblogger nicht zu erreichen - etliche seiner Kollegen in der "Vergabekommission" , die die Investmentbank auswählten, aber schon. Vorwürfe gegen Grasser äußern sie nicht, in der Kommission, in der auch Grasser-Vertrauter und Immobilienmakler Ernst Karl Plech saß, sei es aber zum Teil "wie in einem Kasperltheater" zugegangen, schildert einer. Kabinettsmitglieder hätten mit alteingesessenen Beamten um die Federführung des Privatisierungsprojekts gestritten, "Sitzungen mussten lange unterbrochen werden, damit die Streithähne befriedet werden konnten" .

Interessant dazu auch immogeschädigte ...

Osama - Bin - Laden - Cartoons erobern Frankreich

Das mittlerweile in Frankreich zum Kult gewordene Comicheft ist leider bislang ausschließlich auf Französisch erhältlich. Ob sich ein deutscher Verlag dafür finden wird ist fraglich, werden doch gegen Sifaoui mit Sicherheit Drohungen von “Empörten” eingehen, die nicht darüber amüsiert sind, ihr Vorbild und Führer unter anderem als nackten, knollennasigen Mann, der sich mit seinen zahlreichen Ehefrauen im Bett vergnügt, zu sehen.

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"Man darf nicht nur über Terroristen lachen, es ist sogar wichtig, das zu tun", sagt der französische Autor und Filmemacher Mohamed Sifaoui, der das 100 Seiten starke Buch zusammen mit dem Zeichner Philippe Bercovici entworfen hat.

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Lachen helfe dabei, den selbsternannten Messias und Propheten Bin Laden zu entlarven. "Ich wollte ihn auf das zurechtstutzen, was er ist, ein Krimineller, ein Terrorist", sagt Sifaoui, der sich seit rund zwanzig Jahren beruflich mit Fundamentalismus beschäftigt und mehrere (ernste) Bücher über das Thema geschrieben hat. "Mich überrascht es immer wieder, wie sehr die Leute ihn mit dem Islam verbinden." Dabei stehe der El-Kaida-Chef nur "für die Auswüchse dieser Religion" ... alle Cartoons durchblättern & mehr bei N 24

Sonntag, 4. Oktober 2009

Buwog / Meischi & Co. - die "profil" - Titelstory

Damit beenden wir unsere Berichterstattung zu diesem Thema und laden abschließend ein zum Weiterlesen.

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Kernsätze des morgen erscheinenden Nachrichtenmagazins "profil" im Grasser - Cover:

"Und dann passierte Merkwürdiges. Statt der CA Immo AG den Zuschlag zu ­erteilen, wurde die Angebotsfrist unvermittelt um mehrere Tage verlängert, um beiden Interessenten die Möglichkeit eines „Last and Final Offer“ zu geben. Und siehe da: Am Ende lag die Immofinanz mit 830,58 Millionen um gerade einmal 1,19 Millionen Euro vor dem Mitbewerber. Diese marginale Differenz ist bei einer Transaktion dieser Größenordnung mehr als auffallend. Am 15. Juni 2004 wurde das Buwog-Paket an die Immofinanz verkauft. Abermals war eine von Grasser eingesetzte Vergabekommission am Wort. Deren handverlesene Mitglieder: die damaligen Vorstände der Verstaatlichtenholding ÖIAG, Peter Michaelis und Rainer Wieltsch, zwei Juristen und vier Beamte des Ministeriums, darunter Grassers Kabinettschef und spätere Chef der Finanzmarktaufsicht, Heinrich Traumüller.

Was genau zwischen 4. und 15. Juni 2004 vorgefallen ist, lässt sich noch nicht beantworten. Tatsache ist, dass die Immofinanz das Rennen machte. Tatsache ist auch, dass in weiterer Folge die Lobbyisten Hochegger und Meischberger fast zehn Millionen Euro Erfolgshonorar einstreiften ... mehr im profil

Tja... am Mittwoch, dem 30. September, Mittwoch 30/09 stand bei uns zu lesen:

Die Staatsanwaltschaft Wien (StA Wien) erscheint gegenüber Grasser, Meinl, "Meischi" und vor allem gegenüber der Skandalfigur Immofinanz - Petrikovics vorübergehend als "machtlos". Das wird sich schon noch ändern, z.B. weiterlesen (Link zu einer Petrikovics - Berichterstattung)
- und überdies hat die StA Wien personell aufgestockt: morgen, übermorgen werden die Medien über eine "überraschende" Razzia berichten ... wollma wetten? Und im "profil" vom kommenden Montag wird es einen recht gut recherchierten Grasser - Cover geben. Wollma wetten?

Samstag, 3. Oktober 2009

Razzia bei KHG-Meischi-Partie: StA Wien startet durch

Update 4. Oktober: HD hat stattgefunden, "profil" - Cover ist Sonntag abend am Kiosk.

Wie dem szeneblogger bereits in den Nachmittagsstunden des 29. September über Connections zugeflüstert wurde, die mitunter oft besser sind als die selbst der mächtigsten Mainstreammedien des Landes, muss das Meischi-Hochegger-Undkonsorten-Netzwerk mit verstärkter Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft Wien (StA) rechnen. Der Hausdurchsuchungsbefehl (HD - Befehl) war zwar noch nicht raus ...

... aber gestern war es dann soweit: fast schon filmreife Krimistimmung in der vom szeneblogger mit - aufgedeckten Affäre rund um die 10-Millionen-Zahlung der Immofinanz an die beiden Grasser-Freunde Walter Meischberger und Peter Hochegger. Gestern, Freitag, tauchten Finanzbeamte in Begleitung eines Staatsanwaltes in der noblen Grinzinger Villa von Walter Meischberger in der Waldaugasse 3 auf.

Sie fanden nur die Freundin des Hausherrn vor – Meischberger selbst befand sich nämlich in Vaduz, um dort die Unterlagen jener liechtensteinischen Konten zu sichern, auf die er sich die Immofinanz-Millionen via Zypern überweisen ließ. Er wollte nach eigener Angabe die Konten „sichten“ und dann alle Unterlagen selbst den Behörden „geordnet“ übergeben. Wieder einmal Liechtenstein, wieder einmal eine flotte Fahrt ins Offshoreparadies. Zur Erinnerung: während die österreichische Bevölkerung mehrheitlich glaubt, "der Milliardär Julius Meinl V." habe die 100 Millionen Euro Kaution auf den Tisch gelegt, um sich bis zu einem Urteil oder einem Freispruch - es gilt die Unschuldsvermutung! - die Untersuchungshaft zu ersparen, stammen die 100 Millionen Euro in Wahrheit von undurchsichtigen Überweisungsveranlassern aus FL (Liechtenstein). Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass eine FL - Stiftung oder eine Zug - AG dahintersteckt.

Meischi in Vaduz: Inzwischen wurde in Wien alles beschlagnahmt und in Kisten abtransportiert, was nach Verträgen, Kontoauszügen, Akten aussah. Wenig später wurden auch die private Wohnung von Grasser-Freund Peter Hochegger, das Meischberger-Büro der Valora Solutions in der Tuchlauben 14 und die Kanzlei des Notars Bieber, Brix & Partner „gestürmt“. Ziel der Aktion: Sowohl Steuerfahnder als auch Justiz wollen prüfen, wer bei der „Provisionszahlung“ der Immofinanz wirklich kassiert hat.

Die bisherigen Recherchen der Staatsanwaltschaft in der „Causa Buwog“ sind spektakulär: Es geht um die 9,6-Millionen-Zahlung der Immofinanz nach Kauf von 60.000 Bundeswohnungen der Buwog an Freunde des Ex-Finanzministers Grasser.

Laut bisherigen Ermittlungen war die Immofinanz bis Ende Mai 2004 im Bieterverfahren um die Buwog völlig unberaten – und hoffnungslos im Hintertreffen. Beim verbindlichen Kaufangebot im Mai 2004 bot die Immofinanz für die Buwog nur 837 Millionen Gleichzeitig war die CA Immo mit 925,7 Millionen der klare Bestbieter. Trotzdem erhielt die CA Immo keinen Zuschlag, sondern der Finanzminister verlängerte die Angebotsfrist für neue Gebote. Genau das wird man ihm im übermorgen erscheinenden "profil" vorwerfen: das Wiener Nachrichtenmagazin wird KHG vermutlich covern, d.h. der Skandal kommt als Titelstory raus.

Am 4. Juni 2004 unterzeichnete die Immofinanz einen „Beratungsvertrag“ mit Peter Hocheggers Lobbying-Agentur VUBAG – als Honorar wurde für den „Erfolgsfall“ eine Zahlung von „1 Prozent der Kaufsumme“ vereinbart. Hochegger nahm Grassers besten Freund und Trauzeugen Meischberger ins Boot.

In der entgegen allen Regeln angesetzten weiteren Bieterrunde erhöhte die CA Immo – siegessicher – ihr Angebot „nur“ um 34 Millionen – auf 959,7 Millionen. Völlig überraschend besserte die nun von Meischberger und Hochegger beratene Immofinanz auf 961 Millionen nach. Exakt 1,3 Millionen Euro mehr – genug für den lukrativen Zuschlag.

In der Folge wurde das 1-Prozent-Erfolgshonorar, das 9,6 Millionen betrug, an eine Briefkastenfirma namens „Astropolis“ in Zypern überwiesen. Hochegger behielt sich 20 Prozent (1,8 Mio.), Meischberger will die restlichen 80 Prozent – also 7,8 Millionen Euro – persönlich kassiert und an niemanden abgegeben haben.

Weder Berater Hochegger noch Meischberger haben ihre Millionenprovision versteuert. Beide setzten für den Geldfluss ein wahres Überweisungs-Karussell in Gang. Meischberger ließ „seine“ 7,8 Millionen zunächst von der Immofinanz an die Briefkastenfirma „Astropolis“ in Zypern überweisen, dann weiter zu einer Briefkastenfirma in Vaduz (Liechtenstein) und schließlich – bis ins Jahr 2007 – zurück an die „Valora Solutions“ nach Wien, an der damals Grasser beteiligt war.

Trotzdem bleibt Meischi gegenüber den Steuerfahndern dabei: Er kassierte alleine. Für diese These spricht, dass sich Meischberger seit der – von ihm nicht versteuerten – Provisionszahlung eine Luxusvilla in Grinzing gebaut hat, die locker vier, fünf "Kisten" (Millionen) wert ist. Gegen diese Version indes spricht, dass ein prominenter „Insider“ letzten Donnerstag zu Protokoll gab, er wisse „sicher, dass Meischberger nur 20 % kassiert und die restlichen 6 Millionen weitergegeben“ habe. Das mit der BZÖ - Finanzierung dürfte sich bald als Unsinn herausstellen. An wen – das würde er dem Staatsanwalt sagen. In Wien halten sich Gerüchte, der „Insider“ hätte nun beim Staatsanwalt „ausgepackt“.

Bei Grasser fanden keine Hausdurchsuchungen statt. Übrigens: KHG hat in dieser Sache "nichts angestellt" ... das nur nebenbei. Es sei denn, man kann ihm nachweisen, dass er unlautere Absichten hatte, als er die Angebotsfrist verlängerte: das wird im wesentlichen der Inhalt des am kommenden Montag erscheinenden "profil" - Covers sein.

Freitag, 2. Oktober 2009

Pogromstimmung in Österreich? Mobbing gegen Muslima in Schule gipfelt im "Kopftuch - Anzünden"

Der Vorfall sollte ursprünglich vertuscht werden, der Grazer Caritas - Fachhochschule ist die Chose mehr als peinlich. Beim Mobbing gegen eine Mitschülerin passierte bei einem Schulausflug, noch dazu in ein christliches Kloster, eine Hexenverbrennung besonderer Art: der frommen Muslima wurde prompt das Kopftuch angezündet. Advent, Advent, ein Kopftuch brennt. Seit österreichische Mainstreammedien vor 24 Stunden massiv in das Thema eingestiegen sind, ist Feuer am Dach. In einem Land wie Österreich, in dem die Reichskristallnacht ("Novemberpogrom") besonders eifrig abgeführt wurde, schlägt der dämliche Kids - Zwischenfall ("happy slapping") hohe Wellen, und das hat drei Ursachen:

(1) Die "gemütlichen" Österreicher stehen vielfach einer besonders integrationsunfähigen bzw. integrationsunwilligen Moslem - Parallelgesellschaft gegenüber, weil der Migrantenanteil aus bäuerlichen Feudalgesellschaften vergleichsweise hoch ist (Anatolien, Trabzon, Karadeniz - Hinterland),
(2) Latente, dumpfe rassistische Stimmungen im Volk werden durch das Ende der "humanistisch orientierten" SPÖ - GrünInnen und Gutmenschen kommen in der Provinz kaum an - und durch die ständigen Stimmengewinne des Rechtspopulisten H.C. Strache (FPÖ) vermehrt manifest, die Leute bloggen sogar inzwischen in deutschen Anti - Islam - Weblogs und "trauen sich mehr" (Politologe Pelinka),
(3) der ständig steigende Migrantenanteil in österreichischen Unterschicht- bis Lower-Middleclass-Schulen trifft auf eine Gesellschaft, die erst in ein bis zwei Generationen die sozialen Strukturen eines Einwanderungslandes rezipiert haben wird. Das brennende Kopftuch aus dem Zisterzienserstift: Schärfer werdende Anti - Islam - Hetzjagd oder hochgespielter Einzelfall?

Schön langsam wird's dennoch bedenklich, egal, warum das verhasste Kopftuch brennen musste: gerade jetzt - und gerade das.

Kaum plakatierte Strache sein berühmtes "Daham statt Islam", kaum beginnen erstmals auch österreichische User das deutsche Anti - Islam Kult - Weblog "politically incorrect" (über 40.000 Zugriffe pro Tag) für sich zu entdecken ("Rettet die Donauinsel" - zum Originalbeitrag in pi - news), vermeldet die österreichische Tagespresse ein happy slapping, das nach herkömmlicher "Jugendgewalt" aussieht, bei wirklichen Kennern der Stimmung aber die Alarmglocken läuten läßt.

Wehret den Anfängen, bevor die Dönerbuden brennen: noch ist nicht gesagt, dass hinter der lustigen Kopftuch - Anzünderei im Verlauf diverser Mobbing - Aktionen gegen eine muslimische Mitschülerin wirklich echter Rassismus und wohlüberlegte Islamophobie stecken. Doch: "Die Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft" (Harald Schmied, Caritas).

Sind wir bald wieder soweit, dass, wenn der November näherrückt, wieder die Novemberpogrome ausgerufen werden? Schmieren Vertreter des gesunden Volksempfindens bald "Kauft nicht beim Moslem" auf Dönerbuden, so wie einst "Kauft nicht beim Juden" auf die Auslagen jüdischer Geschäfte geschmiert wurde? Einen geilen und ultracoolen Text zu diesem Thema kennen wir ja schon, von rechten Glatzen in Oberösterreich auf Hauswände geschmiert: "Was uns'ren Vätern einst der Jud - ist heut für uns die Moslembrut!"

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Tja ... wegen der Hautfarbe werden Sie diskriminiert? Burka - Verarschung, Bildquelle: Kunst für Freiheit

Gerade wir hier im szeneblogger haben einige grundsätzlich islamkritische Artikel veröffentlicht, die wir später trotz ihrer Ausgewogenheit vorsichtshalber gelöscht haben - denn die Stimmung in Österreich wirkt aufgeheizt wie dank Geert Wilders in den Niederlanden (Stichwort: Arbeitslosigkeit wegen Burka - Tragens kein Grund für den Bezug von Arbeitslosengeld, usw.). Unsere Linie, die ich auch immer wieder in meinen Kommentaren in "Standard" oder "Presse" transportiert habe:

Die Auseinandersetzung mit dem Islam und dem Verhalten vieler Muslime im EU - Raum ist zu wichtig, um sie der politischen Rechten, dem dumpfen Volksempfinden oder gar rechtsradikalen Vollidioten zu überlassen.

Leider hat die Rechte, in Österreich z.B. H.C.Strache, dieses Thema gepachtet und besetzt und die linksliberale bis liberalkonservative Intelligenz macht sich in die Hosen: nur net was dazu sagen! Ich schrieb damals u.a.: Das Problem sind leider nicht in erster Linie die Moslems, das Problem ist die Ideologie, der Islam selbst - ein berühmtes Wort des Ägypters Morris Barsoum zitierend. Die toleranten und permissiven Gesellschaften des Westens treffen unvorbereitet auf eine radikale, antidemokratische und totalitäre Ideologie - denn das ist der Islam, eine als Religion getarnte faschistoide Gesellschaftsordnung - antidemokratisch, antipluralistisch, frauenfeindlich und im Grunde steckengeblieben im Wüstensand des Frühmittelalters. Reifenwechsel tut not. Mehr zum Thema Auseinandersetzung mit dem Islam, pi-news, Geert Wilders hier.

Tja, liebe deutsche Bloggerkollegen, die sich schon mal über das Anti - Islam - Weblog "politically incorrect" - besser: über die Kommentare daselbst - aufgeregt haben: Die Saat ist offenbar aufgegangen.

Noch ist freilich abzuwarten, ob die Entgleisung nicht bloß einfach private Hintergründe hatte, was ich fast annehme, Zoff unter Teenies, weder religiös noch rassistisch motiviert. Hochgespielt wird die Sache trotzdem, schlägt österreichweit Wellen, verschärft die Situation, verschlechtert weiter die Stimmung.

Was war passiert - "Die Presse" schrieb gestern:

Zwei Jugendliche haben bei einem Schulausflug eine Klassenkameradin attackiert. Am Ende zündeten sie das Kopftuch der praktizierenden Muslimin an. Die beiden 15-jährigen Schülerinnen wollen sich nicht entschuldigen.

Mehrere Gespräche mit den Betroffenen, deren Eltern und Vertrauenspersonen haben nichts geholfen: Die beiden 15-jährigen Schülerinnen der Caritas-Fachschule für wirtschaftliche Berufe in Graz wollten sich für ihr Vorgehen nicht entschuldigen. „Da das Ziel der Einsicht nicht erreicht werden konnte, blieb als Konsequenz nur der Schulverweis“, sagt Direktorin Evelyn Awad ... ganzen Artikel lesen

Steirische Polizei: "nicht religiös motiviert" - Leider wird auch hier wiederum der völlig unzutreffende Begriff "religiös motiviert" hervorgeholt, ein unausrottbarer Unsinn. Bis auf ein paar glühende Muttergottesverehrer aus polnischen Katholikengemeinden in Wien (1030) gibt es in Österreich kaum Leute, die Moslems unbedingt zum Christentum bekehren wollen. Gemeint ist, liebes Landesamt für Verfassungsschutz bzw. liebe Grazer Kleine Zeitung, "kulturkämpferisch motiviert". Auch der Begriff des Rassismus gehört hier überhaupt nicht her, da die Rassenlehre keine Rolle spielt. Kleine Zeitung, Graz:

"Die Tat zweier 15-Jähriger, die einer muslimischen Mitschülerin das Kopftuch versengt haben, war nicht religiös motiviert. Zu diesem Ergebnis kommt das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Dessen Leiter, Alexander Gaisch, übte am Donnerstag auch Kritik am Vorgehen der Schule: Es sei zumindest "verwunderlich", dass keine Anzeige erstattet worden sei. Immerhin gehe es um ein Offizialdelikt.

Nach Darstellung des Schulbetreibers Caritas habe die Schulleitung erst am Tag danach von dem Vorfall, der auf einem Ausflug passiert war, erfahren und der Mutter des Opfers nahegelegt, Anzeige zu erstatten. Diese wiederum wollte eine letztlich nicht erfolgte Entschuldigung abwarten und ging erst nach drei Tagen zur Polizei ..." - ganzen Artikel lesen Kleine Zeitung, Graz


Tja ...

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Das müsst ihr lesen!

Besser könnte auch ich das nicht, und das will was heißen. Stefan Niggemeier über den stillen Leidensdruck, den eine der schärfsten TV - Kultsendungen aus der Hauptabteilung Seichtgebiete schon mal verursacht:

Der Musikantenstadl ist immer wieder ein ganz besonderes Fernsehereignis, denn durch das stark eingegrenzte Zielpublikum wurde über die Zeit eine Art Parallelwelt kreiert. Die 3 Grundpfeiler davon sind:

1. Die aufgeführte Musik handelt von der Liebe (bis in alle Ewigkeit). Tut sie dies nicht, wird vom Meer gesungen, sobald der Protagonist in den Bergen sitzt und umgekehrt.

2. Etwa 70% der zu hörenden Instrumente sind nicht zu sehen und 80% der zu sehenden Instrumente sind nicht zu hören. Blasmusikinstrumente werden zum Beispiel gern durch E-Gitarren ersetzt.

3. Innerhalb der Aufzeichnung sind sämtliche Damen unter 30 Jahren prinzipiell leicht bekleidet und tragen zudem oftmals nichts drunter.

Nach langer Sommerpause war der Musikantenstadl am vorletzten Wochenende mit einer Sendung aus Linz endlich wieder zurück. An dieser Stelle nun ein leicht verspäteter, dafür umso genauerer, Einblick in diese leicht sonderbare Fernsehparallelwelt ... weiterlesen bei Stefan Niggemeier

Das war meine Omi!

Hier ist sie, die Ur-ur-ur-ur-omi, die vor ca. 4,4 Millionen Jahren lebte:

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Der jetzt entdeckte Humanoide ist zwar nicht der gemeinsame Vorfahr von Mensch und Schimpanse, "aber das Nächste, was wir bisher gefunden haben", sagt Tim White. In anderen Worten: "Es ist weder ein Schimpanse noch ein Mensch. Es ist ein Ardipithecus." Der Paläoanthropologe von der Universität Berkeley ist der wissenschaftliche Hauptverantwortliche der Ardi-Forschungen und genießt in Fachkreisen - auch wegen der jahrelangen Geheimniskrämerei in Sachen Ardi - nicht den besten Ruf.

Nach allem, was man bisher weiß, reichen die Entwicklungslinien von Homo sapiens und der heute lebenden Affen vermutlich sechs bis sieben Millionen Jahre zu einem gemeinsamen Urahn zurück. Ardi hat vor immerhin 4,4 Millionen Jahren gelebt - und ist damit mehr als eine Million Jahre älter als das legendäre Australopithecus-Fossil Lucy, das bisher als der älteste bekannte Urahn des Menschen galt.

So wie bei Lucy, deren Skelett ebenfalls in Afar gefunden worden war, stammen auch die Überreste Ardis von einem weiblichen Humanoiden. Die Rekonstruktionen deuten auf eine 1,20 Meter große Frau mit einem Gewicht von etwa 50 Kilogramm hin.

Quelle: Science
Bildquelle: National Geographic

Mittwoch, 30. September 2009

Grasser, Buwog, Meischi: der Skandal eskaliert

Update 4. Oktober: HD hat stattgefunden, "profil" - Cover ist Sonntag abend am Kiosk.

Die Schatten der Privatisierung der Bundeswohnungsgesellschaften (eigentlich: BWBG, eine davon ist die Buwog) im Jahre 2004 werden immer länger. Unter Karl-Heinz Grasser wurden die vier Gesellschaften verkauft, das Rennen machte (mit 1,3 Mio. Euro Vorsprung vor CA Immo) die von den Grasser-Freunden Walter Meischberger und Peter Hochegger beratene Immofinanz. Die bezahlte - seltsam genug - 9,6 Mio. Euro, und die versteuerten das nicht, seit ihrer Selbstanzeige vor zehn Tagen ermittelt der Staatsanwalt in der Finanzstrafsache.

Parallel dazu nimmt die Finanz Meischbergers Valora Solutions Projektbegleitung GmbH unter die Lupe. An ihr waren einst Grasser, Meischberger und Hochegger beteiligt, heute gehört sie der ZehnVierzig Agentur für strategische Kommunikation - und die steht zu 100 Prozent in Meischbergers Eigentum. Die Interpretation, die Finanz sei nach der Selbstanzeige tätig geworden (um etwaige Buwog-Kickbacks an Grasser zu suchen) ist fragwürdig. Es handle sich um eine länger angekündigte Betriebsprüfung, so die Wiener Steuerfahndung. Mit anderen Worten: Hochegger ist am Ende.

Fragen stellen auch die Grünen. Zwar interessieren sich "GrünInnen und Gutmenschen" längst nicht mehr allein für Fragen der globalen Erwärmung, sondern vor allem für Asylantenschicksale à la Arigona und die "Menschenrechte", aber sie sind hier aktiv geworden: Sie bringen unter Federführung von Bautensprecherin Gabriela Moser eine parlamentarische Anfrage an Finanzminister Josef Pröll ein. Weil sie sicher sein wollen, dass "den Ungereimtheiten beim Verkaufsprozess" nachgegangen wird, "die der Rechnungshof (RH) darlegte und kritisierte". Der RH hatte 2007 vor allem kritisiert, dass das Land Kärnten (kannte die Letztbieter) auf sein Vorkaufsrecht für die ESG Villach verzichtet hatte und der Bund nach dem Verkauf sein Einweisungsrecht aufgab.

Während CA Immo in der vorletzten Runde nämlich noch mit fast 100 Mio. Euro Vorsprung die Nase vorn hatte, bot Immofinanz in der letzten Runde mehr: Ihr war die ESG mehr wert als der CA Immo. "Hätte Kärnten sein Vorkaufsrecht ausgeübt, wäre die CA Immo Bestbieter für die restlichen drei Gesellschaften gewesen", schrieb der RH.

Rund um diese Brennpunkte und persönliche Freundschaften stellen die Grünen Fragen wie: "Wieso wusste das Land Kärnten laut Rechnungshof, wer die letzten zwei Bieter waren?" Oder: "Wodurch könnnen Sie ausschließen, dass Karl Ernst Plech (Grasser-Bekannter, Buwog-Aufsichsrat und in der Buwog-Vergabekommission; Anm.) relevante Verkaufsinformationen an Walter Meischberger weitergegeben hat?" Oder die: "Wodurch können Sie ausschließen, dass Ihr Vorgänger Karl-Heinz Grasser Informationen an Walter Meischberger weitergegeben hat?"

Die Genannten weisen den Verdacht, dass über sie Infos an die Immofinanz geflossen sein könnten, zurück - in der CA Immo AG beobachtet man die Sache, so die CA - Spitze zum szeneblogger, aber ganz genau. "Sollte sich herausstellen, dass wir in dem schon damals denkwürdigen Verfahren in unseren Rechten verletzt wurden, werden wir rechtliche Schritte einleiten", sagt CA-Immo-Chef Bruno Ettenauer in einem off-the-records-Telefonat mit dem szeneblogger. Unlauterer Wettbewerb stünde dann im Raum und Klagen auf Schadenersatz, so Ettenauer am szeneblogger - Telefon.

Bei den Beraterhonoraren hat sich beim Buwog-Verkauf aber auch das Ministerium nicht lumpen lassen. Aus Anfragebeantwortungen ergibt sich, dass allein für die Vorbereitung elf Mio. Euro ausgegeben wurden. Unter dem Titel "Privatisierungsberatung der BWBG, Aufträge an eine Rechtsanwaltkanzlei" flossen 506.330,21 Euro, zwei Uni-Professoren bekamen für ihre Expertise 179.040 Euro - und die Investmentbank Lehman Brothers, wie vom szeneblogger berichtet, rund 10,2 Millionen Euro.

Gestern erschien in der "Presse":

Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat sich heute einmal mehr gegen Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Buwog-Verkauf und damit einhergehenden Provisionszahlungen verteidigt. Gleichzeitig zieht er aber Konsequenzen aus der Affäre und löst seine Bürogemeinschaft mit Walter Meischberger auf. Er müsse sich aber erst ein neues Büro suchen, so Grasser Freitagabend. Der ehemalige FPÖ-Spitzenpolitiker Meischberger hatte laut seiner Selbstanzeige beim Verkauf der Buwog eine Provision von rund acht Millionen Euro kassiert und diese irrtümlich nicht versteuert.

Grasser betonte heute, dass er mit seinem Freund Meischberger nie über die Buwog gesprochen habe und dass der ganze Verkaufsprozess äußerst transparent und professionell abgewickelt worden sei. Und keineswegs sei die Buwog zu billig verkauft worden, vielmehr sei der Zuschlag an den Bestbieter gegangen. Dabei habe es 14 Bewerber aus dem In- und Ausland gegeben. "Beim Verkauf wurde das Maximum aus dem Markt herausgeholt", so Grasser.

Außerdem habe er den Verkauf der Buwog an die Immoeast nicht abgehandelt, sondern nur abgesegnet - das habe auch der Ministerrat getan, ihn jetzt als Schuldigen auszumachen, sei daher völlig unangebracht.

Unser Kommentar: Die Staatsanwaltschaft Wien (StA Wien) erscheint gegenüber Grasser, Meinl, "Meischi" und vor allem gegenüber der Skandalfigur Immofinanz - Petrikovics vorübergehend als "machtlos". Das wird sich schon noch ändern, z.B. weiterlesen
- und überdies hat die StA Wien personell aufgestockt: morgen, übermorgen werden die Medien über eine "überraschende" Razzia berichten ... wollma wetten? Und im "profil" vom kommenden Montag wird es einen recht gut recherchierten Grasser - Cover geben. Wollma wetten?

Dienstag, 29. September 2009

Thomas Knüwer: "Ich verlasse das Handelsblatt"

Dachte, es ist noch nicht soweit. Aber gestern schrieb Thomas Knüwer:

klu

"Ein kleiner Eintrag in eigener Sache: Am kommenden Mittwoch werde ich das Handelsblatt verlassen. Vor fast genau 14 Jahren saß ich reichlich nervös im Foyer der Verlagsgruppe Handelsblatt. Es war der 2. Oktober 1995, ein Montag, einen Tag später war schon wieder frei - doch dies war mein erster Arbeitstag als Volontär.

Das erste Gesicht, das ich sah kannte ich von der Vorstellungsrunde in der Georg von Holtzbrinck-Schule. Es war dieser Sinologe, der mich als Mitbewerber um die knappen Plätze an die Erde geredet hatte. Sein Name ist Matthias Kamp, heute ist er Peking-Korrespondent der Wirtschaftswoche.

Seitdem ist verdammt viel passiert,..." weiter bei Indiskretion Ehrensache


Thomas Knüwer gehört zu jenem interessanten Biotop, das die Schnittstelle bildet zwischen Print, Qualitätsjournalismus, Onlinejournalismus und astreinem "Bloggen": wie Stefan Niggemeier oder - im Grunde - Don Alphonso war er immer Onlinejournalist, Kolumnist und zeitweise an der Grenze zum opinion leader, eine Chance, die ein Mario Sixtus im Grunde versäumt hat. Und er war "authentisch", wie es Klaus Eck einmal forderte.

zu Knüwers privatem Blog

Hochegger, Meischberger, Grasser: ein einziger Sumpf ...

Die Causa Buwog, die nach den Selbstanzeigen des Ex-FPÖ-Abgeordneten und Lobbyisten Walter Meischberger und Lobbyisten Peter Hochegger die Staatsanwaltschaft beschäftigt, provoziert einen Blick auf die Vergabe von Beratungsaufträgen durch das Finanzministerium unter Karl-Heinz Grasser. Wie berichtet haben die beiden (Ex-)Grasser-Freunde ihr Beratungshonorar (9,6 Mio. Euro) für die Buwog-Käuferin Immofinanz nicht versteuert; die Bundeswohnungsgesellschaften wurden 2004 unter Grasser privatisiert.

Meischberger sagt, 80 Prozent des Honorars bekommen zu haben; Grasser habe von der Involvierung der zwei Lobbyisten erst jetzt erfahren, was auch der beteuert. "Geschäft ist Geschäft, privat ist privat", meinte er sinngemäß.

Diese Chinese-Wall hatte offenbar gröbere Risse. Jedenfalls hat sich das Finanzministerium unter Grasser der Dienste der Dr. Hochegger Kommunikationsberatung GmbH bedient. Laut einem parlamentarischen Minderheitsbericht der SPÖ zum Thema "Gebarung des Bundesministeriums für Finanzen bei Privatisierungs- und Ausgliederungsmaßnahmen seit 1.1.2002" beriet die Agentur das Ministerium im Zusammenhang mit dessen "Information der Öffentlichkeit über finanz- bzw. wirtschaftspolitische Maßnahmen" - Kostenpunkt: 139.800 Euro. Auch Grassers Show "KMU-Dialog - Wir haben Zukunft! Gemeinsam zum Erfolg" im Jahr 2002 organisierten Hocheggers. Damals füllte der Minister Entertainer-gleich ganze Stadthallen. Hochegger-Honorar laut Bericht: 2.360.290 Euro. Grasser hatte in einer Anfragebeantwortung erklärt, die Agentur sei "nach einem EU-weiten Vergabeverfahren" zum Zug gekommen.

Auch bei der Homepage-Affaire Grassers spielte eine Hochegger-Tochter eine Rolle. Der Verein zur Förderung der New Economy hatte die Erstellung der Grasser-Homepage ursprünglich bei YLine-Tochter FirstInEx beauftragt. Nachdem Geschäftsführer Dieter Jandl (ein Schulkollege Grassers) ausgeschieden war, wurde der Auftrag gegen Zahlung von 110.000 Euro storniert. Zum Zug kam nun Martrix, Internet-Tochter der Agentur Hochegger. Detail am Rande: FirstInEx hatte eine Zeitlang die Homepage des Finanzministeriums serviciert; Grasser hielt YLine-Aktien. (Die YLine-Pleite unter Werner Böhm ist gerichtlich übrigens noch nicht aufgeklärt.)

Böhm wieder zeigte sich laut Minderheitsbericht "beim einzigen Analysten Europas, der YLine-Aktien empfohlen hatte, erkenntlich" - YLine-Masseverwalter Christoph Stapf klagte denn auch die Zahlung von 34.874 Euro (die andere Gläubiger benachteiligte) 2002 ein. 2004 verglich man sich mit dem Analysten, der für Lehman Brothers arbeitete.

An dem Punkt schließt sich der Kreis. Lehman beriet das Finanzministerium bei der Buwog-Privatisierung; Honorar: 10, 3 Mio. Euro. Den Kontakt zur US-Investmentbank soll Lehman-Berater Karl Heinz Muhr gelegt haben, ein Bekannter Grassers.

Auch eine spektakuläre Nacht-und-Nebel-Aktion im Sommer 2007 erscheint nun in einem neuen Licht. Grasser brachte ausgerechnet am Tag vor der letzten Nationalratssitzung einen Gesetzesantrag ein, mit dem das Glücksspielmonopol weitgehend geknackt worden wäre. Novomatic und Telekom Austria hatten heftig lobbyiert und bei Grasser erreicht, dass ihnen eine zweite Konzession für Lotto, Toto sowie für Roulette und Black Jack via Internet zugespielt wird. Die beiden Konzerne nahmen dafür die Dienste von Hochegger und Meischberger in Anspruch. Zudem hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass Grassers engster Vertrauter, Kabinettchef Matthias Winkler das Gemeinschaftsunternehmen leiten solle. Winkler, mittlerweile Chef-Lobbyist von Bwin, dementierte.

Die Pläne scheiterten. Casinos Austria und Großaktionär Raiffeisen sprachen ein Machtwort. Und dagegen war auch Grasser machtlos.

szeneblogger bringt Grasser in den Knast - es gilt die Unschuldsvermutung!

zum "profil" - Cover über Grasser

Sonntag, 27. September 2009

Deutschlandfunk: Werner Langhans pro und kontra ...

"Ich war Teil einer Geschichte, die nie stattgefunden hat" ... das ist der berühmte Schlusssatz aus dem Prolog zu "Deutschlandfunk": "Ich war Teil einer Geschichte, die nie stattgefunden hat."

langhans-header

Die "Renaissance des Kontrafaktischen" beschäftigt seit einiger Zeit die Literaturkritik, das Feuilleton und die wenigen ernstzunehmenden Literaturblogs - zumindest, seit Thomas Pynchon seinen 1600 - Seiten - Wälzer "Against the Day" vorgelegt hat, obwohl Pynchon in dieser Szene monolithartig dasteht und sich wohl kaum einordnen läßt. Kontrafaktisch: Autoren verändern die Geschichte, die wir in der Schule gelernt haben. Bekanntestes Beispiel: Die "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino. Jüdische Verschwörer beseitigen Hitler und andere Nazi - Bonzen bereits 1944. Der geniale und exzentrische Wiener Schriftsteller Werner Langhans geht einen anderen Weg: bei ihm sind es nicht jüdische Verschwörer, die Hitler & Co erledigen, sondern die Nazi - Offiziere selbst. Angelpunkt der kontrafaktischen Romankunst, die Langhans vorlegt, ist das gelungene Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 ("Operation Walküre"). Langhans: "Deutschlandfunk ist weder ein Kriegsroman noch kommen irgendwelche Nazis vor, und deshalb gibt es auch keinerlei Parallelen zu den Inglourious Basterds, auch wenn dieser Unsinn derzeit überall zu lesen ist" (Langhans im Gespräch mit dem SPIEGEL). Der Roman spielt kurz nach der Jahrtausendwende und führt den Leser in eine seltsame Welt. Sprachgewaltig und in bester Thomas - Pynchon - Manier entwirft Langhans ein Deutschland, das uns erspart geblieben ist.

Besser vergleichbar als mit Pynchons "Against The Day" - wenn überhaupt - erscheint "Deutschlandfunk" mit jenem Roman von Christian Kracht, in dem dieser (Kracht) schon 1917 die Weltgeschichte "kontrafaktisch" verändert: "Ich werde bei dir sein im Sonnenschein und im Schatten."

Auch "wenn die Literaturpreise derzeit nur der Neorealismus kriegt" (Langhans - Freund Christian Kracht), beweisen Autoren wie Kracht und Langhans, dass die Renaissance des Kontrafaktischen - oft als "Neuer Surrealismus" bezeichnet, ein ähnlicher Unsinn wie "magischer Realismus", ein Begriff, gegen den Gabriel Garcia Marquez jahrelang gekämpft hat - dass Leser, Verlage und Literaturkritik umschwenken: Von Joseph Conrad über Philip Roth führt eine Spur zu jener überraschend kleinen Teilmenge an Fast - Weltliteratur, die überbleibt, wenn man Fantasy und Dan Brown hinter sich gelassen hat, die den Fantasy - Unsinn und die triviale Science Fiction auslässt und dennoch "fantastisch" ist: das Kontrafaktische, die Idee, zuerst die Geschichte zu verändern und dann Literatur daraus zu machen. Kracht, als Mann der "Popliteratur" ebenso hochgejubelt wie missverstanden, beweist es in seinem Roman "Ich werde bei dir sein im Sonnenschein und im Schatten." Langhans beweist es mit "Deutschlandfunk": Obwohl der Roman noch gar nicht im Buchhandel erhältlich ist, beeilte sich Langhans - Intimus Robert Menasse darum, dem alten Freund diesmal nicht in den Rücken zu fallen. Robert Menasse: "Deutschlandfunk" von Werner Langhans ist ein Meisterwerk, auch wenn der Roman angefeindet und abgelehnt wird.

Kontrafaktische Literatur, im Grunde die Basis aller Erfolgsromane von Umberto Eco, auch wenn Umberto weniger radikal vorgeht als die "echten" Kontrafaktiker: Was wäre geschehen, wenn Pontius Pilatus im Jahre 33 Jesus von Nazareth begnadigt hätte? In diesem Fall, so argumentiert z.B. der Historiker Demandt plausibel, wäre in der Folgezeit eine Menge anders gekommen, denn die Instrumentalisierung des aramäischen theologischen Eiferers stehe und falle mit seinem Märtyrertod, der dadurch nicht stattgefunden hätte. Das Kreuz mit seinen vielfältigen Folgen wäre z. B. nicht das zentrale Symbol des Christentums geworden, heute weithin unvorstellbar.

Es ist nicht so gekommen. Ähnlich wie bei Philip Roth, ähnlich wie bei Christian Kracht ("Ich werde bei dir sein im Sonnenschein und im Schatten"). Bei Kracht bleibt Lenin 1917 in der Schweiz und gründet eine abstruse Weltmacht, die ganz Afrika zu ihrem Territorium zählt: die SSR, die von Kracht erfundene Schweizerische Sowjetrepublik. Langhans wiederum erfindet ein Deutsches Reich, zu dem auch Österreich als "Ostmark" gehört. Die Funktelefone sind für das Volk gratis, denn sie sind gleichzeitig auch die Volksempfänger für die 300 Kanäle des Deutschlandfunks, der das Informations- und Nachrichtenmonopol besitzt. Durchaus keine Nazis, die da in Wien und Berlin regieren: Hitler starb am 20. Juli 1944 ... das Comeback der Literatur des Kontrafaktischen beschäftigt seit einigen Monaten Medien, Literaturblogger und Kritiker. DER SPIEGEL schrieb:

In seinem schon vor der Erhältlichkeit im Buchhandel heftig und kontroversiell diskutierten Roman "Deutschlandfunk" verändert Werner Langhans den Lauf der uns bekannten Geschichte exakt am 20. Juli 1944. Dieser Tag ist gleichsam der Urknall zu Langhans' Parallelwelt.

... zum Diskussionsblog Werner Langhans, Deutschlandfunk

Robert Menasse: "Deutschlandfunk" von Werner Langhans ist ein Meisterwerk, auch wenn der Roman angefeindet und abgelehnt wird ... mehr

Suchbegriffe / google blogsearch: Werner Langhans, Deutschlandfunk, die Kunst des kontrafaktischen Romans, Thomas Pynchon, Christian Kracht, kontrafaktische Literatur, surrealistischer Roman oder kontrafaktischer Neorealismus - Werner Langhans im Gespräch mit Sigrid Löffler, Dietmar Dath über Thomas Pynchon in der FAZ, Tschandalen - auf den Spuren eines rätselhaften Volkes, Might have been - history, kontrafaktische Plots: "Was wäre, wenn ...", Werner Langhans auf den Spuren Umberto Ecos: die Kontrafaktiker oder "if it had happened otherwise", Robert Menasse im Gespräch mit Werner Langhans.

Donnerstag, 24. September 2009

Finanzgangster in Österreich: Staatsanwaltschaft Wien (StA Wien) völlig machtlos ...

Auf dem österreichischen "Grauen Kapitalmarkt" wird durch Produkte - Erfinder wie Julius Meinl V., dem Immobilienfonds - Dauerpromoter Karl Petrikovics und durch ein Geflecht von Personen, die alle in irgendeiner Form dem Wiener Ex - Finanzminister Karl-Heinz Grasser (KHG) nahestehen - dazu gehört auch das vergleichsweise kleine Licht Auer von Welsbach, ein "patscherter" ("Krone") Kärntner Anlagehai - seit Jahren mehr Schaden angerichtet als in Deutschland durch Warenterminhaie und Zertifikate - Pusher zusammen, so der ehemalige "Papst" des deutschen Anlegerschutzes, Heinz Gerlach, in einem langen Telefonat mit jenen Kapitalmarktjournalisten, die heute in Wien u.a. Beiträge für das Blog "szeneblogger" abliefern.

Jetzt will die Spitze dieser Grauzone - von der völlig überlasteten Staatsanwaltschaft Wien (StA Wien) völlig unbehellligt - sogar noch neue Strukturvertriebe gründen. Einfacher ausgedrückt: die Spitze der Wiener Finanzgangster kriegt den Hals nicht voll, denn bei den dämlich - biederen Österreichern ist immer noch viel mehr zu holen als bei den Deutschen oder gar im finanzmaroden "Ostblock". Hier die Fakten:

Klingende Namen werden mit der Gründung eines neuen Strukturvertriebs für Finanzprodukte nach "AWD-Vorbild" in Zusammenhang gebracht: Ex-ÖBB-Generaldirektor Martin Huber und der ehemalige Immofinanz-Vorstandsboss Karl Petrikovics mischen als Berater bei der Gründung mit, hören wir heute über sieben Ecken und off the records.

Gründen wollten den neuen Strukturvertrieb der Immobilien-Investor Erwin Krause sowie der Ex-Standard-Life-Österreich-Chef Walter Schuster. Krause war Anfang der 90-er Jahre einer breiteren Öffentlichkeit im Zusammenhang mit der Insolvenz des Wiener Palais Coburg bekannt geworden. Die Aktiengesellschaft, deren Teilhaber neben Krause und Schuster vornehmlich Banken und Versicherungen sein sollen, werde noch im Oktober gegründet.


Inwischen plant die verstärkte StA Wien eine Razzia bei Hochegger und Meischi, und das am nächsten Montag erscheinende "profil" wird Grasser in diesem Zusammenhang covern. Die Infos kommen von einem hohen Beamten des Finanzministeriums.

Nach Prügelexzess in München: Richter "Dr. Seltsam" blockiert die von Bürgern und Polizei geforderte neue Zivilcourage

Heute gefunden bei heise.de:

In der bayerischen Landeshauptstadt scheinen Notwehr und Nothilfe mit relativ großen Risiken verbunden zu sein
Mittlerweile hat die Polizei bestätigt, dass sich beim mutmaßlichen Mord an einem 50-Jährigen am Münchner S-Bahnhof Solln etwa 20 Menschen in der Nähe des Tatorts befanden, ohne dem Opfer zu helfen. Warum mangelt es scheinbar gerade in der im Vergleich zu anderen Städten eigentlich recht beschaulichen Isarmetropole an Zivilcourage? Eine Rolle dabei könnte der Münchner Richter Manfred Götzl spielen. Er machte in den letzten beiden Jahren durch zwei spektakuläre Fälle auf sich aufmerksam, in denen er gegen Personen, die sich auf Notwehr oder Nothilfe beriefen, lange Haftstrafen verhängte. Die beiden Urteile wurden nicht nur sehr ausgiebig im Netz diskutiert, sondern führten bei vielen Kommentatoren auch zu dem Schluss, dass man zumindest in München im Zweifelsfall lieber wegsehen sollte, wenn man Gewalttätern in Aktion begegnet ... mehr zu den Urteilen des Richters "Dr. Seltsam" ...

"Volksfrontblog": Die rote Volksfront droht

Vier Wochen linksradikal, vier Wochen rechtsradikal: in dieser schrägen Guerrillamarketing - Agentur arbeiten zwei Neonazis mit Glatze und Springerstiefeln im selben Büro wie zwei grüne GutmenschInnen, von denen eine noch dazu nebenher Stalinistin ist.

Die beiden Mädels wollen den rechten Glatzen die Eier abschneiden, was allerdings durch ihr grünes Gutmenschentum und ihre von der Spätromantik (Engels) geprägte Ethik verhindert wird. Einmal rechts, einmal links: das Volksfrontblog!

Montag, 21. September 2009

Ausländerkriminalität: Grüne werfen Polizei Rassismus vor

Die Grünen werfen der Wiener Polizei rassistische Praktiken vor. Durch die Fahndungsmethode "Ethnic Profiling" werden nicht konkret Verdächtige aufgrund ihrer Herkunft oder Religionszugehörigkeit überprüft. Die Polizei verteidigt diese Methode.

Der Grünen - Stadtrat David Ellensohn hat am Montag angekündigt, die Exekutive der Stadt anzuzeigen. Hintergrund ist ein neuer Ermittlungsweg, den die Polizei beschreitet. Laut einem Bericht in der jüngsten Ausgabe der Wiener Stadtzeitung "Falter" setzen die Ermittler im Kampf gegen Einbrecher "Ethnic Profiling" ein. Dabei werden nicht konkret verdächtige Personen aufgrund ihrer Herkunft oder Religionszugehörigkeit überprüft.

Es handelt sich um eine ursprünglich aus Großbritannien stammende und höchst umstrittene Methode, die im Wiener Fall gegen Menschen aus Georgien und Moldawien eingesetzt werde, wie Ellensohn erklärte. "Mit Ethnic Profiling werden Menschen aufgrund ihrer Herkunft pauschal verdächtigt. Diese Fahndungsmethode ist rechtlich nicht gedeckt und damit in Österreich nicht zulässig. Deshalb bringen wir jetzt eine Anzeige ein", sagte der Stadtrat.

Gegenüber dem ORF-Landesstudio Wien verteidigte Landespolizeikommandant Karl Mahrer die Methode. Demnach handle es sich um eine reine Befragung, um an Informationen aus der Szene zu kommen: "Es geht sehr oft um Kontaktaufnahme, Gespräche und Gefahrenerforschung. Und all das ist gesetzlich legitimiert."

"Dass der Wiener Polizeikommandant Mahrer diese Vorgangsweise als reine 'Befragung' darstellt, ist ein misslungener Versuch, rassistische Polizei-Praktiken zu beschönigen", konterte Ellensohn. Er fordert Mahrer auf, "diese Praktiken zu beenden und nicht weiter durchzuführen."

Dazu: die bessere Methode - (blosse) Rasterfahndung nach ethnischen Merkmalen sinnlos

Weiters:

Beim Ethnic Profiling werden Menschen lediglich auf Grundlage dessen, wer sie sind, wie sie aussehen oder wo sie beten als verdächtig behandelt, und nicht basierend auf dem, was sie tun oder getan haben. Deshalb ist es eine Bedrohung für das Ethos der EU, einer Union, die fest in den Werten der Freiheit, der Demokratie und in der Respektierung der Menschenrechte und grundlegenden Freiheiten verankert ist ... weiter

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